3SAT
Mo 07.09.
Doku
Waldelefanten - Architekten des Regenwaldes
- 52'
Tiere
Inhalt
Aus der Ferne sieht es aus wie eine tanzende Schlange auf der dichten Vegetation des Regenwaldes. Als nächstes tauchen zwei lange, rosafarbene Stoßzähne aus dem Blätterwerk auf.
Sie gehören zu einem Elefantenbullen, der wie ein verblüffter Tourist die gewaltigen Kongou-Wasserfälle beobachtet. Er steht am Rande dieses abgelegenen Naturwunders im Ivindo-Nationalpark in Zentralgabun und versucht mögliche Gefahren zu wittern.
Plötzlich setzt der Dickhäuter zu einem gewagten Trapezakt an. Vorsichtig wie im Porzellanladen setzt er einen Fuß vor den anderen und jongliert seine rund vier Tonnen Lebendgewicht über die steile Kante der Fälle - ein fast unmöglich erscheinender Stunt, der so nirgendwo sonst zu beobachten ist: "Er ist auf der Suche nach einer Delikatesse, die es wert ist, das Risiko einzugehen", flüstert Eco-Guide Gislain Botsika ehrfürchtig, "das Gemüse der Wasserfälle".
In Gabun gelten Elefanten als Nachbarn, die fast das ganze Land mit den Menschen teilen. Die meisten Menschen betrachten sie jedoch zumeist als schwierige Nachbarn, die ihre Lebensgrundlage und sogar ihr Leben bedrohen. Daher beginnt der Naturschutz mit dem guten Willen und der Toleranz der lokalen Gemeinschaften für eine Tierart, die dafür bekannt ist, den Regenwald zugänglich zu machen, indem sie Wege baut und ihn durch die Verbreitung von Samen von Bäumen reproduziert. In Gabun erfüllen diese "Architekten des Regenwaldes" die wichtige Funktion, den Waldbestand zu erhalten und damit eine zentrale Kohlenstoffsenke für den Erhalt des Weltklimas.
"Willkommen im Elephant Restaurant", grüßt Tom Emane-Ebe, Chief Ranger in Langoué Bai weiter flussabwärts entlang des Ivindo. Das ist als Scherz gemeint, kommt aber in Gabuns Ivindo-Nationalpark der Realität ziemlich nahe. Waldlichtungen, die von Bächen durchzogen sind, werden in der Sprache ihrer ersten Bewohner, indigener Völker wie der Baka und Babongo, Bai genannt. Tief im Schlamm versteckte Mineralsalze locken Waldelefanten in großer Zahl in das Sumpfgebiet. Durch das Ausgraben dieser Mineralien und Wurzeln ermöglichen Waldelefanten anderen Regenwaldbewohnern ihren Anteil am täglichen Festmahl. Westliche Flachlandgorillas, Waldbüffel, Pinselohrschweine und Sitatungas gesellen sich zu den Elefantenfamilien zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Langoué Bai bietet das seltene Privileg, die sozialen Interaktionen von Tierarten zu beobachten, die sonst schwer zu finden und noch schwieriger zu filmen sind. Sie ist eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten eines Landes, das vom dichten Blätterdach der Urwaldriesen bedeckt ist. Gabun kann immer noch als "Wunderland des Regenwaldes" bezeichnet werden, obwohl die kommerzielle Forstwirtschaft auch hier ihren Tribut fordert. Elefanten gelten für den Wald als "Schirmart", denn ihr Schutz bedeutet auch sichere Lebensräume für andere Regenwaldarten. Mindestens die Hälfte aller verbliebenen afrikanischen Waldelefanten lebt in Gabun. Schätzungen gehen von 30.000 - 95.000 Tieren aus. Genaue Zählungen sind in den dichten Wäldern praktisch unmöglich, die Schätzungen werden anhand ihrer Ausscheidungen und Gentests erhoben. Da die Wilderei vielerorts in kürzester Zeit zu einem drastischen Rückgang führen kann, wurde der Waldelefant im Jahr 2021 von der Weltnaturschutzunion als vom Aussterben bedrohte Art gelistet, die höchste von drei Gefährdungsstufen.
Bei einer menschlichen Population von etwas mehr als zwei Millionen bedeuten hohe Elefantenzahlen ein Verhältnis von 30-50 Menschen zu einem Elefanten. Kein Wunder, dass Elefanten als eines der größten Probleme in allen ländlichen Gebieten des Landes gelten. Während andernorts in West- und Zentralafrika Elefanten durch die Ausbreitung menschlicher Siedlungen und den Verlust der Regenwälder durch Abholzung in die lokale Ausrottung getrieben werden, werden in Gabun etliche Dörfer aufgrund der angeblichen "Elefantenplage" verlassen. Sogenannte Mensch-Wildtier-Konflikte bedrohen das friedliche Zusammenleben fast überall im Land, denn Elefanten sind in ganz Gabun zu finden, sogar nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Libreville entfernt. Politische Instabilität als Folge des Militärputsches im Jahr 2023 macht auch ihre Zukunft und jene der Nationalparks ungewiss.
Naturschützer betonen die wichtige Rolle der Elefanten als Umweltingenieure, Gärtner und Hüter wertvoller Lebensquellen. Die äquatorialen Regenwälder Afrikas stellen eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken für den Klimaschutz dar und Elefanten sind für sieben Prozent der Reproduktion dieser Wälder verantwortlich. Ihr Dung sorgt für
Sendungsinfos
Von: Werner Zips
VPS: 07.09.2026 20:15, Stereo
